Lubomyr Melnyk im .HBC

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Mit Virtuosität ist das immer so eine Sache. Bei Rockmusik und Metal ist der virtuose Saitenhexer noch immer der Heiland schlechthin. Bewegt man sich jedoch in „ernstere“ Gefilde, in den Dunstkreis des verklärten Nimbus sogenannter „Klassischer Musik“™, wird Virtuosität schnell zum Makel. Denn was sagt Virtuosität aus, außer ein hohes Maß an technischem Können, spielerischer Brillanz zu besitzen? Kompositorisch? Musikalisch? Kaum etwas bis nichts!

Daher blieb ich erst einmal skeptisch, als ich mich ins .HBC aufmachte, um Lubomyr Melnyk zu sehen, jenen kanadischen Komponisten und Pionier der ‚Continuous Music‘, der für nicht wenige mal eben als der Franz Liszt dieser Tage gilt. Das roch zu sehr nach Geniekultästhetik, höherer metaphysischer Schaffenskraft und jeder Menge Budenzauber-Hokuspokus.

Continuous Piano Music, was ist das eigentlich? Genau genommen eine Spieltechnik, die sowohl Schnelligkeit als auch das Zusammenspiel von Obertönen in den Fokus setzt. Gut, das tun andere auch. Meist geht dies jedoch einher mit einem gewissen minimalistischen Anspruch, um den Obertönen bewusst nachzulauschen. Hier jedoch Cluster, Glissandi, viel technisches Gedöns, um dank gelöstem Fortepedal am Instrument ein Gewaber an Sound zu kreieren, fern von üblich klaren Klavierstücken. Für einen kurzen Moment eine sehr spannende Angelegenheit, die jedoch zunehmend verblasst, je länger sich ein Konzert ausnimmt. Daher gilt mein Dank auch Melnyk selbst, der eröffnete, nur in den Sphären schwebender Techniker zu sein, da die für die Continuous Music gedachten Kompositionen an sich wenig gehaltvoll seien. Und soviel Einsicht verdient Respekt.

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