Tenacious D: Das Recyceln von Peniswitzen

Rize of the Fenix ist TENACIOUS Ds neuer Schlag, die Karikatur zweier Möchtegern-Rockstars charmant und mit allen Klischees garniert, die möglich sind, darzubieten. Einst spielten Jack Black und Kyle Gass noch dem Teufel selbst den besten Song der Welt vor, konnten sich später jedoch nicht mehr an ihn erinnern, sodass nur Tribute von diesem großen Moment der Musikgeschichte zeugte, ohne selbst einer zu sein. Das war witzig, genial wie einfach. Zwei dicke Typen, halbwegs taugliches Gitarrengeschrammel. Das weckte dieses „Das kann ich auch“-Gefühl, dass die beiden sympatisch machte. Dann fand man das Pick of Destiny, ein Prektrum gefertigt aus dem Zahn Beelzebubs und machte sich an, die Welt im Sturm zu erobern. Im Gepäck, den Film zum Album. Oder das Album zum Film?

Die Dokumentation der damaligen Promo-Tour (enthalten auf Complete Masterworks Part Two-DVD) zeigte dann eher zwei gnadenlos enttäuschte Komiker, die ihre Leidenschaft für Musik von den Massen nicht geteilt, sondern sich eher verschmäht sahen. Daten wurden gecancelt, die Stimmung kippte. Kyle, der sich zunehmend als fünftes Rad am Wagen, ewig im Schatten des Blödelbarden und Publikumslieblings Black, als „the other guy“ sah, war drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Tenacious Ds einstiger Witz „Kyle quit the band“ schien in trauriger Nähe zu sein. Und nun, mythisch und pompös das Phönix aus der Asche-Klischee bedienend sind sie zurück. Gestreng nach dem Motto: Ihr kriegt uns nicht klein, Ihr Fucker!

I just want us to be the best fucking band in the world. There is no point in doing it if we are not the best. Yeah, we are good. We are almost as good as Arcade Fire. Fuck that! We gotta leave those fuckers in the dust! All those fucking youngsters can fucking lick our boot or fuck it! (Jack Black)

Doch ist das noch witzig? Oder gut? Wieviel Halbwertzeit besitzt ein Furz- oder Peniswitz? Wie lange lässt sich das Bild der Möchtegernrocker noch reproduzieren, bevor nur noch die Musik zählt? Die ist zwar nicht schlecht. Mit Dave Grohl an den Drums hat man sich wieder eine Beatmaschine gesichert, Kyle Gass zeigt sich erneut als guter Fingerpicker, Jack Black als gute Frontröhre. Doch reicht das aus? Würden die Jungs ohne Witze bestehen? Oder ohne Jack Blacks Schauspielkarriere? Manche Gags zünden zwar noch immer. Doch machen wir uns nichts vor: Die Hochzeit und glorreiche Karriere von Jack Black hat den Zenit längst erreicht, wenn auffällt, dass er wie Otto Waalkes, Mike Myers oder Jim Carrey seine Witze recycelt. Geliebt wird er von Tenacious D-Fans doch vor allem aufgrund seiner Rollen in Filmen wie High Fidelity (2000) oder School of Rock (2003). Und da spielt Black sich als bekennender Rockfan und Musiknazi einfach selbst. Doch kann und muss man das ewig ausschöpfen?

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Analytisches Fingerglotzen: Sir Richard Bishop im NK

s gibt Momente, da ist es kein Segen mehr, ein Instrument spielen zu können. Sei es, dass einem ein Saitenmeister wie Sir Richard Bishop wieder vor Augen führt, wie wenig man eigentlich kann. Dann bahnt sich einfach Resignation Raum. Sei es der Umstand, dass man durch allzu viel Theoriewissen und jahrelanges eigenes Praktizieren des Gitarrefrickelns nicht mehr fähig zu sein scheint, die Musik einfach nur genießen zu können, ohne dem Musiker apathisch auf die Hände und das Griffbrett zu schielen. Dann erfolgt das zergliederne Fingerglotzen. Im Kopf wird der Analysekoffer weit aufgestoßen und Bishops reichhaltiger musikalischer Fundus unromantisch mit anerkennendem „Aha!“ zerteilt in „Uiuiui, da hat er aber eine schöne Hammeron/ Pulloff-Technik durchblicken lassen!“ oder „Ah, jetzt umspielt er E-Dur mit den klassischen Blues-Pentatoniken.“. Und schon rattert der Kopf und einfacher Musikgenuss verkommt zur unfreiwilligen Lehrstunde mit Bishop am Pult.

Zu allem Übel schleicht sich dann noch perfide der Wunsch danach ein, das eigene Equipment endlich einmal grundlegend zu überholen und doch bitte endlich mal wieder engagiert mit dem Spielen weiterzumachen. Oder überhaupt erst einmal wieder anzufangen! So ist dieser Abend nicht nur Seelentrip des gebeutelten unfähigen Gitarristen in einem selbst, sondern man entpuppt sich auch wieder einmal mehr und mehr zum willfährig schwachen Spielball der Gitarrenindustrie. Also, danke Norman, für die Einladung und das Aufzeigen, dass ich ein Opfer bin!

Der Donnerstagabend im Neuköllner NK verlief dann dennoch noch recht eindrucksvoll. Eindrucksvoll genug jedenfalls, dass ich nun, zwei Tage später, um Bishops Improvika und Polytheistic Fragments reicher (?) bin. Wer sich also für Django Reinhardschen Gypsy Swing Jazz, Country Folk oder Genresprengendes zwischen Bereichen des spanischen Flamencos oder indischer Klassiktradition erwärmen kann, der sei mit Bishops abschließenden Worten eingeladen, es mir gleichzutun:

„In order for guitar music to have value, it must remain new and on the move. There shall be no safe or sacred ground. To take risks and to challenge one’s self and one’s listeners, is the only way to maintain any worth.“