I am Soulcraft

Bekanntermaßen verderben ja zu viele Köche den Brei. Diese Bauern- bzw. Küchenregel stimmt meist für Musik ebenso wie anderswo. Auch I AM SOULCRAFT a.k.a. Ingo Helmes dachte sich das und schraubte neben anderen Bandaktivitäten und seiner Leidenschaft für Kunst im Allgemeinen lieber allein im DIY-Labor an chilligen Elektro-Beats. Heruntergebrochen auf die Basis ist Musik für ihn „wie Fotografieren oder Malen: eine Kombination aus Farben, Licht- und Schattenspielereien, geschichteten Lagen“. Ah ja. Das klingt im Ansatz erst einmal minimalistisch, fast klinisch und unromantisch. In der Umsetzung ist es dann auch viel zu kurz gegriffen. Denn was der Ingo da zaubert, ist groß und mehr als reines Sampler-Lego! Fitzelige, kleinfasrige Gebäude bastelt er in kompositorischer Akribie, fragmentarisch zusammengestellt aus Ziegel- und Mauerwerk des vollen Fundus` namens Ambient, Jazz, Lounge und weiterer Spielarten der vertrackt genialen Kopfmusik.

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Album des Monats: Jona:S „Grau“

Glaubt man JONA:S` Texten, dann steckt ganz pessimistisch hinter jeder weißen Weste auch ein schwarzes Schaf, verschwimmt jedwedes bunte Kolorit früher oder später zur fahlen Tristesse. Tanztaugliche Melancholie würde ich das nennen, die mit auf Synthiepop-Schnüre gezogenem Deutschrap dazu anstachelt, die Trauerränder von der Emoplatte zu kratzen. „Scheiß auf Junimond, lass Träume zu Ende gehen, zieh die Klamotten aus und dusch dich im Novemberrain.“ Ganz so plakativ und schlimm ist es um JONA:S zwar dann doch nicht bestellt, auch wenn ihr teils melancholisch lebenserfahrener Mix nicht grad die Gute-Laune-Platte des Monats wird. Die Giessener Reimemeister schaffen jedoch mit „Grau“ textgewaltig den Spagat zwischen Lebensbejahung und skeptischer Schwarzmalerei und damit den Soundtrack für jeden Großstadtneurotiker.