Beck’s neues Album wird ein Song Reader – also Klampfe raus!

Da bin ich mal gespannt. Nach seiner genialen Kollaboration mit Brian Burton – alias DJ Danger Mouse – für sein letztes Album „Modern Guilt“ 2008 scheint nun ein neues Beck-Album auf dem Weg zu sein. Wer Beck Hansens Karriere verfolgt, kann sich bereits denken, dass mal wieder musikalische Überraschung im Hause des Alternative-Meisters ansteht. Und prompt platzt Herr Hansen auch mit der Neuigkeit raus, dass sein Album lediglich als ‚Sheet Music‘ bei Faber and Faber’s Publishing erscheinen wird, um allein durch das Konzept Musik wieder mehr Wert zu verleihen und Beck’s Fans dazu zu animieren, selbst mal zur Klampfe zu greifen, um die Musik zum Leben zu erwecken.

„Song Reader“ wird insgesamt 108 Seiten umfassen, 20 Songs mit jeweiligem Booklet enthalten (2 Instrumentals). Die Illustratoren-Liga, die die Booklets entworfen hat, liest sich auch vielversprechend: unter anderem mit dabei sind Marcel Dzama, Leanne Shapton, Josh Cochran und Jessica Hische.

Elton John disst Madonna. Aua, der hat gesessen!

Jede Woche pusht die Boulevardpresse ein neuerliches Skandälchen in die seichte Luft, um Madonnas erneuter Selbstfindungsnabelschau – kurz MDNA – nochmal Atem in die müden Lungen einzuhauchen. Ob nun das Einstimmen in den Pussy Riot-Support, nachdem glaubhaftere Künstler wie Peaches und Co. den Trend vorgemacht haben, oder der inflationäre Gebrauch von Mittelfingergesten, ausgenudelten Peepshow-Anlehnungen oder peinlicher Hitlermetaphorik. Kein Wasser scheint zu seicht, als das Frau Ciccone nicht ihr Segel in den Wind dreht, um ein Stück weit auf der Welle mitzusurfen.

Vom gekonnten Neuerfindungsdrang ist nunmehr wenig Glanz übrig geblieben, Madonnas Stern ist bereits seit langem am sinken,   kurz, der Star mit Hang zum Schocken stinkt bereits ab gegen müden EM-Fußball (wie in Berlin in der O2-Halle) und ist teils genötigt, Karten wie Sauerbier anzupreisen, um dem eigenen Anspruch, vor ausverkaufter Halle spielen zu können, überhaupt noch gerecht zu werden. Das nimmt seit Jahren derart peinliche Züge an, dass sich schon die verstorbene Amy Winehouse klar und direkt die Seele freisprach:

„I liked her when I was about eight. She was cute and that was about it really. Now she’s an old lady. She can’t shock people any more, I think she should get a nice band, just stand in front of them and f***ing sing.“

Aua. Prägnant auf den Punkt gebracht. Jetzt tritt Lieblingsoptikersohn und Krokodil-Schunkelpianist Elton John nach und meint: Die Alte geht ja mal gar nicht!

„She’s such a nightmare. Sorry, her career is over. Her tour has been a disaster and it couldn’t happen to a bigger cunt. If Madonna had any common sense she would have made a record like ‚Ray Of Light‘ and stayed away from the dance stuff and just been a great pop singer and make great pop records, which she does brilliantly. But no, she had to go and prove she looks like a fucking fairground stripper.“

Doppel-Aua.

Musikalische Feldforschung mit Baroness‘ „Yellow & Green“

Der eingefleischte Musikfan kann ja ein ziemlich nervig undankbarer Zeitgenosse sein. Denn skurrilerweise fürchtet er bei seiner Herzensband die Veränderung ebenso wie die Stagnation. Tätowiert man sich also nicht bei Bandgründung die Grenzüberschreitung bereits auf die Stirn und preist in allen Interviews, man lasse sich musikalisch nicht festlegen, ist der Aufschrei groß, wenn die gewohnte musikalische Baustelle plötzlich verlassen wird. Tendenziell ist spätestens das verflixte dritte Album der Auslöser dieses Phänomens und Ursache vielzähligen Mordio-Gezeters. Auch BARONESS steht mit ihrem dritten – und auch gleich vierten – Album „Yellow & Green“ ein schwerer Gang bevor. Erneut.

Ihr derzeitiges Doppelalbum scheidet die Gemüter schon vorab, ist es doch nach den bollernden Sludge-Metal-EPs „First“ und „Second“ und den proglastigen Gniedel-LPs „Red“ und „Blue“ eine weitere Abkehr vom gewohnten Sound in noch eingängigere Rockgefilde. Wer weiß, wie schwer sich die Metalwelt teils mit kleinsten Veränderungen tut, ahnt, was gerade Baroness als gelobtem Flakgeschütz des Prog- und Sludge-Metallischen nun erwartet.

Nicht selten sorgt ein Sound-Wechsel für Existenzängste und „Ausverkauf“-Rufe bei den Fans. Und als wäre das nicht schon genug, kommt es kommt auch noch schlimmer. Neben bewährt bollernder Schlagkraft und gegröhlten Stadionhymnen enthält das neue Material der Saitenschinder aus Georgia auch noch tanzbare Uptempo-Discobeat-Nummern, auf die Paul Smith spätestens nach dem letzten Maximo Park-Album neidisch wäre. Und als gäbe es noch etwas draufzusetzen, spielt John Baizley mit seinen Mannen plötzlich – Balladen (!). Die erlauben sich was! Da wird so manchem Liebhaber ihres sludgig dröhnenden Frühwerks sicher vor Erbostheit der Bienenzüchterbart abfallen.

Wer Prog weiterhin aber als das versteht, was es ist, kreativ vertracktes Erprobungsfeld musikalischer Grenzen und Gniedelspielplatz für vorallem beteiligte Musiker, dem bleibt zu sagen: Auf Probanden, zur musikalischen Feldforschung!