Marsimoto „Grüner Samt“

„Ini, mini, Marsimo“. Marten Laciny kann es nicht lassen. „Höher, schneller, weiter“ scheint sein Credo zu sein. Der Lebenslauf zeigt bereits, der 30-jährige kleckert nicht, er klotzt. Als Kind innerhalb der Hansa Rostock Jugendmannschaft bis in den U-17-Kader der Nationalmannschaft aufgestiegen, als 18-jähriger modelt er für Hugo Boss in der ganzen Welt. Kaum zurück in der Hansestadt und später in Berlin wird die eigene Rapkarriere gleich derart angegangen, dass seine Crew bald schon auf Europatour mit Mark B Blade und den Delinquent Habits spielt. Der Fall scheint klar: Der Kerl ist ein wahrer Player, der weiß, wo er hin will – nach oben. Und da diese Erfolgsgeschichte scheinbar nicht für ein Leben ausreicht und Marten als MARTERIA nicht schon genug allseitiges Lob einheimste, spaltete sich bereits frühzeitig sein Alter Ego MARSIMOTO ab, um mit hochgepitchter Fistelstimme, grüner Maske und geballter Menge Beats in der Pfeife, eine Ode nach der anderen um das „Grüne Samt“ namens Marihuana zu texten. Als allgegenwärtiger Streuner feiert er seitdem die Ausschweifung und den Rausch, übt Kritik am Überfluss, verbreitet Good Vibrations ebenso leicht und glaubhaft wie Hinweise auf die Gefahren allzu leichtsinniger Datenfreigabe im Internet oder Kritik am Walsterben. Ganz possenreissender Wortakrobat, der sogar Kermit zu seinen Kumpels zählt, zelebriert er seine grünmaskierte Narrenfreiheit, auch, um die eigene Szene zu hinterfragen.

„Was ist denn mit der Realness? Wer malt heute noch den Zug? Alles nur noch Wellness!“

Tanga Elektra „At First Sight EP“

Neo-Soul mit viel Gefrickel

Wo zeigt sich noch echtes Können? Wo werden wahre Bühnenhelden geboren? Sie werden nicht im Hinterzimmer windiger Produzenten gezüchtet, um als neue Retorte die Musikwelt ein Stück weit ärmer zu machen. Nein! Echte Musiker haben sich noch verdient gemacht, durchliefen als Initiation alle Stationen des Musikerdaseins, kennen die Widrigkeiten, den Geruch kleinster Clubs und den der schwitzender Fans. Entbehrungsreiche Prüfungen, aus denen letztendlich erst Kraft und der wahre Wille danach erwachsen, dass fremde Menschen gefälligst zu Deiner Musik abgehen sollen. Das macht Straßenmusik gerade so interessant und scheinbar ehrlich. Zusätzlich wirkt auch noch der Eindruck nach, sie durch die Stadt schlendernd eher zufällig und noch bewusst für sich selbst entdeckt zu haben. TANGA ELEKTRA a.k.a. Gebrüder David und Elias Engler sind ein solcher Glücksfall. Wer braucht eine klassische Bandkonstellation, wenn mit Loopstation, Violine, Percussion und einem wahnsinnigen Gespür für kleine feine aber eindrucksvolle Arrangements auch zu zweit in bester Motown-Manier der Soul eine Frischzellenkur erhält? Bei derart abgespecktem  Line-up zeigt sich schließlich erst der Könner. Und Tanga Elektra können`s. Neo-Soul, Funk und ein Hauch Elektro, fertig ist der Lack und ist ein unkonventioneller Sound per Jamsession entstanden, bei dem nicht nur das Spreeeis schmilzt.