Are you Punk, Danko Jones?

Danko Jones im ausverkauften Postbahnhof (01.11.2012)

DANKO JONES ist ja eine sichere Bank, wenn man auf klischeebeladenen Hardrock steht, aber auch nicht alte Opas mit peinlicher Poserattitüde gerontologisch über die Bühne schlurfen sehen möchte. Man bekommt, was man wünscht. Dicke-Eier-Sprüche an der Perlenschnur aufgereiht und Mitnickhymnen von einem eingespielten Powertrio, thematisch breit gefächert von Sex bis „Boah, bin ich n geiler Typ!“. Wieder einmal ist das Problem dieser wie jeder Hardrockinstanz jedoch der Zwiespalt zwischen Modernisierung oder Stagnation. Sagen wir, wie es ist: Die neue Platte „Rock and Roll is Black and Blue“ ist absoluter Mist! Vergänglicher stadiontauglicher Poserrock, der inzwischen schon so austauschbar wie chartschielend ist, dass man sich unweigerlich fragt, ob olle Danko nicht zuviel Puddle of Mudd und Billy Talent eingeatmet hat.

Vor Jahren sagte er mal, „First Date“ sei die einzige obligatorische Anbiederung an den Markt gewesen, weil man endlich einmal einen Hit in den Charts und damit – *Bling Bling* – etwas Kohle einfahren wollte. Natürlich ohne seine fein gepflegte Street Credibility aus den Augen zu verlieren, klar. Davon spürt man heute nicht mehr viel.

Soviel sei gesagt, das Konzert war in jedem Falle ausverkauft, wie die restlichen Tourdaten in Deutschland ebenso. Die Fanbase scheint also noch zu stimmen. Doch ist es noch Punk oder Rock’n’Roll, an einem Donnerstag um neun Uhr zu spielen? Hat das nicht endgültig etwas von After-Work-Partyattitüde? So richtig sicher schien auch Selbstinszenierungsheinz vom Dienst, Danko Jones, dann nicht und fragte das donnerstägliche Publikum „Are you Punk?“. Nach den ersten Tönen vom neuen Album wollte man da kokett zurückfragen „Ja, bei mir bin ich da halbwegs sicher! Wie sieht’s da bei Dir aus?“

Als wäre die Band sich dessen bewusst, verlagerte sie sich schnell darauf, die einstigen Gassenhauer „Cadillac„, „Forget my Name„, „Code of the Road“ oder „Samuel Sin“ zu spielen, was der statischen Stimmung dann etwas Auftrieb verlieh. Garniert mit allerlei Wortgefechten von Rampensau Danko mit seinen Fans – da wurde nahtlos zwischen Hämorrhoidenwitzen und aufgesetzter Rockerüberheblichkeit gewechselt – verlief der Abend doch noch, wie erhofft und gewohnt.

Fragen, die blieben und sich auch heute noch aufwerfen:

Wie sehr Punkrock ist es noch, wenn zig Fanhände via großformatigem Smartphone die Rockstimmung in HD einzufangen suchen?

Hat das nicht endgültig etwas von Laptoprock und Businesspunk deluxe? Unweigerlich sage ich „Ja“, wenn der Konzertabschluss die große Spreu traurig vom wenigen Weizen zu trennen wusste. Wie das geht? Ganz einfach. Spiele als versierte Band wahllosBreaking the Law (Judas Priest), Iron Man (Black Sabbath) oder das Schlagzeuglick aus Song for the Dead (Queens of the Stone Age) und gucke, wer’s erkennt. Zähle die dahingeschiedenen „Greats of Rock“ auf und erkenne, dass nur bei Johnny Cash plötzlich Jubelstürme ausbrechen, weil keiner weiß, wer denn dieser John Lord oder Adam MCA Yauch war. Traurig, aber auch aussagekräftig.

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