Musikalische Feldforschung mit Baroness‘ „Yellow & Green“

Der eingefleischte Musikfan kann ja ein ziemlich nervig undankbarer Zeitgenosse sein. Denn skurrilerweise fürchtet er bei seiner Herzensband die Veränderung ebenso wie die Stagnation. Tätowiert man sich also nicht bei Bandgründung die Grenzüberschreitung bereits auf die Stirn und preist in allen Interviews, man lasse sich musikalisch nicht festlegen, ist der Aufschrei groß, wenn die gewohnte musikalische Baustelle plötzlich verlassen wird. Tendenziell ist spätestens das verflixte dritte Album der Auslöser dieses Phänomens und Ursache vielzähligen Mordio-Gezeters. Auch BARONESS steht mit ihrem dritten – und auch gleich vierten – Album „Yellow & Green“ ein schwerer Gang bevor. Erneut.

Ihr derzeitiges Doppelalbum scheidet die Gemüter schon vorab, ist es doch nach den bollernden Sludge-Metal-EPs „First“ und „Second“ und den proglastigen Gniedel-LPs „Red“ und „Blue“ eine weitere Abkehr vom gewohnten Sound in noch eingängigere Rockgefilde. Wer weiß, wie schwer sich die Metalwelt teils mit kleinsten Veränderungen tut, ahnt, was gerade Baroness als gelobtem Flakgeschütz des Prog- und Sludge-Metallischen nun erwartet.

Nicht selten sorgt ein Sound-Wechsel für Existenzängste und „Ausverkauf“-Rufe bei den Fans. Und als wäre das nicht schon genug, kommt es kommt auch noch schlimmer. Neben bewährt bollernder Schlagkraft und gegröhlten Stadionhymnen enthält das neue Material der Saitenschinder aus Georgia auch noch tanzbare Uptempo-Discobeat-Nummern, auf die Paul Smith spätestens nach dem letzten Maximo Park-Album neidisch wäre. Und als gäbe es noch etwas draufzusetzen, spielt John Baizley mit seinen Mannen plötzlich – Balladen (!). Die erlauben sich was! Da wird so manchem Liebhaber ihres sludgig dröhnenden Frühwerks sicher vor Erbostheit der Bienenzüchterbart abfallen.

Wer Prog weiterhin aber als das versteht, was es ist, kreativ vertracktes Erprobungsfeld musikalischer Grenzen und Gniedelspielplatz für vorallem beteiligte Musiker, dem bleibt zu sagen: Auf Probanden, zur musikalischen Feldforschung!

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2 Gedanken zu “Musikalische Feldforschung mit Baroness‘ „Yellow & Green“

  1. Ich glaube es ist nicht der Sell-Out-Vorwurf, der nervt, sondern das Stadionhafte und belanglose in ihrer Musik. Eine Nickelback Band reicht doch aus.

    1. Wenn’s denn nur eine wäre. Mit ‚Theory of a Deadman‘ hat sich olle Chad Kroeger im glattschmirgelnden ProTool-Studioreagenzglas quasi gleich den Minimi zur eigenen Band hochproduziert. War damals richtig peinlich, als die plötzlich auftauchten. Aber bei Baroness ist auch die Belanglosigkeit angekommen. Entweder ich komm nicht in das Album hinein oder man schafft es allgemein nicht mehr, weil’s zu gefällig ist.

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