Analytisches Fingerglotzen: Sir Richard Bishop im NK

s gibt Momente, da ist es kein Segen mehr, ein Instrument spielen zu können. Sei es, dass einem ein Saitenmeister wie Sir Richard Bishop wieder vor Augen führt, wie wenig man eigentlich kann. Dann bahnt sich einfach Resignation Raum. Sei es der Umstand, dass man durch allzu viel Theoriewissen und jahrelanges eigenes Praktizieren des Gitarrefrickelns nicht mehr fähig zu sein scheint, die Musik einfach nur genießen zu können, ohne dem Musiker apathisch auf die Hände und das Griffbrett zu schielen. Dann erfolgt das zergliederne Fingerglotzen. Im Kopf wird der Analysekoffer weit aufgestoßen und Bishops reichhaltiger musikalischer Fundus unromantisch mit anerkennendem „Aha!“ zerteilt in „Uiuiui, da hat er aber eine schöne Hammeron/ Pulloff-Technik durchblicken lassen!“ oder „Ah, jetzt umspielt er E-Dur mit den klassischen Blues-Pentatoniken.“. Und schon rattert der Kopf und einfacher Musikgenuss verkommt zur unfreiwilligen Lehrstunde mit Bishop am Pult.

Zu allem Übel schleicht sich dann noch perfide der Wunsch danach ein, das eigene Equipment endlich einmal grundlegend zu überholen und doch bitte endlich mal wieder engagiert mit dem Spielen weiterzumachen. Oder überhaupt erst einmal wieder anzufangen! So ist dieser Abend nicht nur Seelentrip des gebeutelten unfähigen Gitarristen in einem selbst, sondern man entpuppt sich auch wieder einmal mehr und mehr zum willfährig schwachen Spielball der Gitarrenindustrie. Also, danke Norman, für die Einladung und das Aufzeigen, dass ich ein Opfer bin!

Der Donnerstagabend im Neuköllner NK verlief dann dennoch noch recht eindrucksvoll. Eindrucksvoll genug jedenfalls, dass ich nun, zwei Tage später, um Bishops Improvika und Polytheistic Fragments reicher (?) bin. Wer sich also für Django Reinhardschen Gypsy Swing Jazz, Country Folk oder Genresprengendes zwischen Bereichen des spanischen Flamencos oder indischer Klassiktradition erwärmen kann, der sei mit Bishops abschließenden Worten eingeladen, es mir gleichzutun:

„In order for guitar music to have value, it must remain new and on the move. There shall be no safe or sacred ground. To take risks and to challenge one’s self and one’s listeners, is the only way to maintain any worth.“
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