Album des Monats: Quakers

Wenn schon alle darüber meckern, dass wir in einem Zeitalter der Retrokunst leben, warum das nicht einmal zelebrieren? Fernab des Soul-Revivals mit Adele, fernab all dieses 80ies-Schnurkes, bringt uns – wenn man so will – Portishead einen Glanzpunkt im öden Plattenland daher. Nein, kein neues Album! Das lässt weiter auf sich warten. Bleibt fraglich, wer überhaupt noch darauf wartet. Aber Geoff Barrow, Beatschnitzer bei den Triphop-Oldies, vertreibt sich die Langeweile ohne seine Portishead-Kollegen Beth Gibbons und Adrian Utley derweil mit emsigem Frickeln. Neben seiner Produzententätigkeit, dem Komponieren von Filmmusik (unter anderem war er maßgeblich für den Soundtrack des Banksy-Films Exit Through the Gift Shop verantwortlich), dem Zweitschlag seiner Krautrockband Beak> und dem Debüt seines Oldschool-SciFi-Projekt Drokk mit Filmkomponist Ben Salisbury (sehr John Carpenter- oder Blade Runner-Vangelis-mäßig), hat er noch soviel Beats in der Pfanne, dass er sie weltmännisch an eine ansehnliche Zahl von Hip-Hoppern schickte, streng nach dem Motto: „Macht mal!“ Und gemacht haben die reichlich.

Als Alter Ego Fuzzface, gemeinsam mit Portishead-Techniker Stuart 7-Stu-7 Matthews und Produzent Ashley Katalyst Anderson, flux eine Art 90ies-HipHop-Supergroup gegründet, um – angekotzt vom derzeitigen unauthentischen Blingbling-Mainstream – ihr Lieblings-HipHop-Album zu basteln. Die Tracks sind zwar kurz, doch dafür auf den Punkt. Und, hey, bei 41 Tracks mit 35 Gast-Rappern auf einem Album wollen wir jetzt mal nicht so pingelig sein. Keine Ahnung, warum die Kollaboration ausgerechnet den Namen QUAKERS trägt. Nach eschatologischer Erweckungsbewegung klingt hier absolut nichts, auch wenn deren nähere kirchliche Selbstauskunft als „Society of Friends“ das Ganze als Projektbeschreibung vielleicht schon eher trifft. Neben Stone Throw Records-Kumpanen wie Aloe Blacc oder Guilty Simpson sind es vor allem Größen der „goldenen Rap-Ära“ wie Romye Bootie Brown Robinson von The Pharcyde  und Lawrence Prince Po Baskerville oder Underground-Titanen wie Dead Prez oder Phat Kat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s