Kyuss Lives! in der C-Halle

Stuckrad-Barres Ausspruch „Auf der Bühne sterben, ist okay. Aber bitte nicht siechen!“ kommt mir oft in den Sinn, wenn ich das Wort Reunion höre.

Okay, KYUSS, die wegweisenden Wüstenrocker sind nicht die Stones oder Led Zeppelin, aber der Gedanke kommt doch. Der Trend, dass Rock-Väter sich wiedervereinen, scheint ungebrochen. Reunions oder auch kurzfristige Zusammenfindungen von musikalischen Urgesteinen sind längst zum gängigen Mittel geworden, um an die „good ol` days“ anzuknüpfen oder kurz und knackig Kasse zu machen. Meist wird das sogar pointiert angekündigt mit der Begründung, rein aus Spaß an der Sache und aus alter Freundschaft zu den Bandkollegen und der Liebe der Musik der gut bezahlten Nostalgie zu frönen. Faith No More taten dies letztjährig sogar mit dem Zugeständnis, nur Faith No More 2.0 zu sein. Eine Konsequenz, die beispielsweise Altgrunger wie Soundgarden nicht ziehen, sondern wieder vereint den Nostalgiewahn so weit ausreizen, an den guten alten Sound von 1994 anknüpfen zu wollen. Doch braucht es das, das Vakuumsiegel der Neunziger 2011 wieder aufzubrechen? Jetzt mal bei aller Heldenverehrung.

Bei Kyuss zumindest, die sich nun ähnlich wie Faith No More einzig für Konzerttouren zusammentun (bis auf Josh Homme sind alle im Boot), mag das glücken. Letztjährige Garcia plays Kyuss-Tour mit niederländischer Backingband hatte ja bereits für ausverkaufte Hallen gesorgt, nun sorgte neuerliches Kyuss Lives!-Projekt für weiteres Helau bei allen Bart- und Kuttenträgern. Demnach Reanimation erfolgreich, Patient lebt. Kyuss Lives! im Genaueren (nur echt mit Ausrufezeichen).

Bevor die Wüstenrocker aber den Sand aus den Ohren pulten, gaben sich die Hamburger BURDEN die Ehre, mit ihrer Stoner-Kapelle als erste Anheizer aufzuspielen. Der Metal Hammer überschlug sich gar bei deren Debütalbum und bewarb es mit Sätzen wie „Without any doubt burden have a claim for uniqueness!“. Naja, soweit würde ich mich jetzt nicht aus dem Fenster lehnen, höchstens erwähnen, dass das brachial wie genialer Stonerrock vom Feinsten war. Manko aber bleibt, dass Burden bis in die Details vereinzelt wie ein Down-Klon wirkten. Das ist zwar immer noch eine Referenz, bei der man bedächtig den Hut zieht, Einfallsreichtum und die vom Metal Hammer bemerkte Einzigartigkeit klingen aber anders. Dennoch, sympathisch wirkten die Hamburger in jedem Fall. Vor allem dadurch, dass man ihnen sichtlich anmerkte, dass sie das erste Mal vor so großem Publikum standen, von den Musikurgesteinen im Backstage-Bereich ganz zu schweigen.

Die Tontechniker meinten es selbst nach Burdens letztem Song noch richtig gut mit mir und spielten zur Umbaupause das halbe „King for a day … fool for a lifetime“-Album von Faith No More. Die zweite Vorband mochte mich dann leider nicht mehr. Das beruhte aber auf Gegenseitigkeit. WAXY, die offizielle Kyuss-Tourvorband bewies ein Gespür für vor allem zwei Dinge: 1. trotz guter Technik und Vorab-Soundcheck madig zu klingen. 2. Einen Keyboarder in eine Stonerformation zu holen, der in der Band visuell wie musikalisch nur noch einen der Amigos oder Flippers hätte deplatzierter wirken lassen. Nach schlechtem Start gewannen die Kalifornier aber etwas an Format und schlugen in etwa in die Kerbe zwischen Arms of the Sun und Eagles of Death Metal. Gerecht wurden sie aber auch diesen Vergleichen nicht wirklich. Ganz ehrlich: Kyuss hätten gut daran getan, stattdessen Burden mit auf Welttournee zu nehmen. Waxy scheinen aber bereits im illustren Kreise der Wüstenrocker aufgenommen, hoben John Garcia (Kyuss) oder Jesse Hughes (Eagles of Death Metal) schon deren letztes Album in eine höhere Gewichtsklasse.

Was soll`s, Unmut runtergeschluckt und nach vorne gesehen, denn da bot sich bereits ein Schauspiel, das alles vergessen machte. Halbgefüllte Bierbecher flogen ab den ersten Kyuss-Tönen durch die Reihen und hüllten die schwitzende Menge in reichhaltigen Bierregen. Vereinzelt landeten ein paar gezieltere Würfe auf der Bühne und sorgten für Roadies, die emsig wie Balljungen beim Tennis-Grand Slam über die Bretter flitzten. Pfandsammler hätten an diesem Abend glänzende Augen bekommen. Der Gruß der Stunde, die zweizinkige Pommesgabel, allerorts in einer wabernden Masse voller Headbanger und Croudsurfer. Jeder Song ein Treffer, ein textsichereres Publikum hat man selten gesehen. Schweißgebadete Rock-Glückseligkeit, von meinem schwankenden Konzertnachbar von der Waterkant am Ende des musikalischen Marathons treffend zusammengefasst mit: „So geil, Alder! Bin extra von Lübeck hierher. Oh Mann, so breit war ich auch schon lange nicht mehr.“ Da gibt`s eigentlich nichts hinzuzufügen.

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Ein Gedanke zu “Kyuss Lives! in der C-Halle

  1. alta, wo warst du denn plötzlich? ham dich jesucht:). egal. jeder song ein treffer fand ich nicht so richtig, zumindest nicht im vergleich zum astra-konzi. die erste hälfte des konzis war mir, nun ja, i-wie zu punkig, weil die herren nur schnelle und kurze dinger gebretzelt ham. ob herr oliveri darauf bestand? no one knows. naja, alles in allem ein durchaus schönes konzert, keine frage, aber letztlich kein vergleich zu der übelst coolen wir-sind-alle-so-glücklich-miteinander-atmo im vergangenen mai. so, jenuch jemäkelt…

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