Zähnefletschen im Sage Club

Auf SILBERRÜCKEN aufmerksam geworden bin ich durch deren reichhaltigen Sticker-Klebesubbotnik im Stadtgebiet. „Geiler Kleber“, dacht ich mir – eine wirr glotzende Dreadlock-Frontmaschine, umrahmt von drei kranken Typen mit Mandrill-Masken. Das war für`n Lacher gut und passte prima auf mein dröges Lateinwörterbuch. (So zaubert das olle Ding wenigstens mal ein Schmunzeln ins Gesicht.) Erst Wochen später habe ich mir deren Internetauftritt angesehen.

Wer jetzt beim Namen Silberrücken aber an nebulös sphärische Romantikklänge glaubt, die Sigourney Weaver und die „Gorillas im Nebel“ untermalen, verkennt, dass hier zwar sanfter Riese draufsteht, aber jede Menge Mandrill-Action drinsteckt.

„Die Zeiten sind härter geworden und man ahnt, dass das noch nicht das Ende war. Wir haben unsere Zukunft in die Hände von Leuten gegeben, die auf dem Schulhof immer allein in der Ecke standen. Jetzt holen wir sie uns zurück – zur Not auch mit Knüppeln! Wir müssen wieder lernen wie man Feuer macht. Der Primat ist der König!“

Klingt rudimentär so ein Konzept. Fast so wie schwedische Death Metalbands, die davon grunzen, wieder mit brennendem Schwert durch den Wald nach Walhalla loszupreschen. Und so ähnlich klingt`s dann auch. Abgespeckt und undomestiziert – eben mandrillmäßig wild. Aber allein wegen der irren Bühnenshow müsste das jeden Cent wert sein. Wird Zeit, das zu checken. Jut, dann ab in den Sage! Dort angekommen,  offenbart sich am Einlass vorerst nur die innere Doppelmoral des Fast-Dreißigers. Die Situation hier eröffnet scheinbar zwei Möglichkeiten:

1. (Inzwischen reine Irrealis, wird innerlich aber immernoch in Betracht gezogen, auch wenn`s nie passiert) Ich werde angesprochen und nach meinem Ausweis gefragt. Ich denke: „Hey, hat die Tussi `ne Macke? Ich seh` doch wohl älter aus als 18?“.

2. (und allzeitige Variante) Die Ausweise aller vor mir, inklusive der zutätowierten harten Typen, die aussehen, als würden sie an der Pommesbude konsequent die Gabel mitessen, werden begutachtet. Ich, der daneben wirkt, wie deren nerdiger Streetworker, werde so durchgewunken und denke „Scheiße! Seh` ich echt älter aus als die?“ Die Türsteher verkaufen es als „Reife“ und ich probier`s, mir schönzureden.

Drinnen empfängt mich dann auch prompt ein leidliches Gefühl von Jugendclub-Atmosphäre. Gut, dass die Jungs grad anfangen. Michael Crichtons „Congo“ erwacht zum Leben und sorgt auf der Bühne ab der ersten Sekunde in Form von Slapbass-Geboller, das feinstem Alternative Rock mit Sludge-Anleihen ein wenig Funkyness einmassiert, für klare Verhältnisse in der Nahrungskette. Frontmann Komi propagiert apokalyptisches Savannenleben und genießt es sichtlich, vor headbangendem Publikum das Image der Band durch wilde Gesten stimmig abzurunden. Komplettiert durch seine Barden Mandrillus Psychopatikus (Gitarre), Mandrillus Berzerkus (Bass) und Mandrillus Maximus (Schlagzeuger) gibt er den Dompteur der Affenrunde. Heinz Sielmanns possierliche Tierschau war nix dagegen, zumal auch weniger musikalisch. Nicht grad entspannend so ein toughes stilistisches Bauchladenangebot. Die Tollwutspritze bleibt trotzdem stecken, denn verdammt nochmal, die Jungs sind einfach saumäßig gut. King Louie wird abgesetzt, long live Silberrücken!

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