Album des Monats: Vein

Wer VEIN zum ersten Mal hört und dann liest, dass er nur einem nebensächlichen Frickelprojekt lauscht, fragt sich, an welchem Bombast die Jungs hauptamtlich schrauben. Denn ursprünglich war Vein nur als fixe Idee und zum Austoben überbordenden kreativen Outputs angedacht. Multitalent Marc Hanson – sowohl Trommler bei Anti-Control als auch Gitarrist und Songwriter bei den Ghost Rockets – und sein Sidekick Johannes Brendel, der beim gemeinsamen Bastelspaß  neben den Fellen auch die Potis der Synthesizer und Studio-Mischpulte bearbeitet, sahen in Vein eher die Chance, Genredenken zu entfliehen.

So einem Riesen dann live und auf Dauer Leben einzuhauchen, braucht tatkräftige Unterstützung. Dank Leihgaben von den Ghost Rockets (Gitarrist plus DJ/Frontmann) und Phonogam (Bassist) wissen Vein dies aber zu stemmen. Und siehe da: Der Patient lebt Und wie! Besonderheit der Jungs ist nämlich, dass in einer wahnsinniger Bandbreite agiert wird. Wäre Crossover als Begriff nicht so starr und ausgelutscht, hier wäre ein Kandidat. Und so prasseln beim Hören des Debütalbums dann auch Unmengen an Assoziationen auf einen nieder. Vom Intro gepackt, das mit Drum`n`Bass lockt, wird man gefoppt und in einen Sound katapultiert, der plötzlich nach kalifornischem Funkrock der Anfangsneunziger klingt. Der Sänger und der Bums des Tracks erinnern dann wiederum eher an Nu-Metal a la Sevendust.

Poison Runner

Nächster Song („Wait a Minute“), schon machen Vein die Eagles of Death Metal mit Lenny Kravitz am Mikro und Bloodhound Gang-Riffs. Über dem nächsten Lied („Victim in Selfexpression“) schwebt dann ein Hauch Trent Reznor und Industrial. Ein paar Songs später wird noch Johnny Cash reanimiert, ein wenig Kirmes-Techno oder Alternative Punkrock untergerührt. Was will ein solcher Megamonsterhybrid aber mitteilen? Nun, wohl so was wie: Nicht einschränken lassen, aus dem Vollen schöpfen!

Wait a Minute

Kurzum: Das Schnetzelkonzept hat immens breites Format. Da ist es kaum nachvollziehbar, dass die Jungs diesen Hochkaräter seit September 2010 für umme ins Netz gestellt haben. „Unsere Musik würde sich keine Sau anhören, wenn man Geld dafür verlangen würde“, meint Vein-Schlagzeuger Johannes. „Traurig“, meine ich. „Das funktioniert nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei! Das Ganze läuft unter Creative Commons. Das heißt, man darf es vervielfältigen so oft man will – Hauptsache unser Bandname steht drauf.“ Da bleibt nur noch zu sagen: Download it, spread it!

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